Japan

Letzte Woche bin ich also zum ersten Mal in Japan zum Snowboarden für ein Wochenende verreist. Als Außenstehender kann man einige subtile Unterschiede hier nicht ignorieren.

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  1. In Japan ist Snowboarden beliebter als Skifahren. Während Snowboarder in den meisten europäischen Skigebieten in der Minderheit sind, bilden sie hier die Mehrheit. Dies könnte daran liegen, dass die meisten Leute hier Teenager oder Twens sind, also die Altersgruppe, in der Snowboarden am beliebtesten ist. Zugleich sieht man erstaunlich wenige ältere Leute und kleine Kinder. Skifahren ist offenbar nicht die Lieblingsbeschäftigung von japanischen Familien.
  2. Es gibt eine bemitleidendswert geringe Vielfalt an verschiedenen Snowboardmodellen hier. Jeder scheint mit einem Freestyleboard mit einer dieser furchtbaren Strap-Bindungen, welche nahezu senkrecht zur Fahrtrichtung montiert sind, unterwegs zu sein, und man kann sich hier auch nichts anderes mieten. Ich will mein Freerideboard mit Step-In-Bindung zurück!
  3. In Europa interessiert es niemanden, ob der Sitznachbar im Skilift ein Freund oder völlig Fremder ist. Nicht so in Japan. Aus irgendeinem Grund zieren sich Japaner, den Lift zusammen mit Fremden zu besteigen. Diese Gewohnheit geben sie auch im Angesicht von endlosen Warteschlangen zur Stoßzeit nicht auf, so dass das Liftpersonal Einzelpersonen dazu auffordern muss, zusammen zu fahren. Dies wird manchmal sogar von einer Mini-Vorstellung begleitet (紹介)! Verrückt!
  4. In europäischen Skigebieten werden überall magnetische Skipässe verwendet, welche am Einlass zum Lift gescannt werden. Seit einigen Jahren kann man den Pass sogar in der Jackentasche verstauen, und die Maschine kann ihn immer noch lesen. Im Gegensatz dazu erhielten wir in Kitasiga Ryuuou (北志賀竜王) altmodische Pässe aus Papier, welche mit einer Armbinde am Oberarm befestigt werden mussten, und vom Liftpersonal von Hand gescannt wurden. Au weia.
  5. Beim Anstehen für den Lift halten die Japaner gebührend Abstand, so dass sie ihre Skier/Snowboard nicht in dich rammen. Das vermisse ich SEHR in Europa!
  6. Außerdem drängeln sie sich beim Anstehen nicht vor. Das ist ebenfalls etwas, was man in Europa vermisst. Schade, dass England keine guten Skigebiete hat.
  7. Bestimmt sind Skilifte in Japan besonders sicher, wenn man bedenkt, wie viel Wert die Japaner allgemein auf Sicherheit legen?!? Weit gefehlt! Die Lifte haben keinen Sicherheitsbügel der dich daran hindert, 5 Meter tief zu fallen, keine Fußraste für Skier/Snowboard, und in einigen Fällen nicht einmal eine richtige Rückenlehne! Angesichts dieser unerhörten Sicherheitsstandards habe ich mich vom Einstieg bis zum Ausstieg extra fest an das Sesselgehänge geklammert. Den Japanern scheint dies alles jedoch nichts auszumachen, da sie selbst im Angesicht von starkem Wind aus allen Richtungen ihre Hände seelenruhig in den Schoß legen. (Allerdings meint Kazuya, dass dies eine Eigenart des älteren Ryuuou Skigebietes ist.)
  8. In Europa werden Helme immer mehr zur Standardausrüstung, weil die meisten tödlichen Unfälle durch Kopfverletzungen verursacht werden. In Japan trägt kaum jemand einen, und als ich mir einen mieten wollte, wurde mir im Laden gesagt, sie haben keine. Kaum zu glauben!
  9. Vielleicht brauchen Japaner einfach gar keine Helme, weil sie so langsam und vorsichtig fahren. Zumindest sah ich hier kaum jemanden, der so schnell wie möglich fährt. Raceboardfahrer? Fehlanzeige!
  10. Natürlich macht es hier genauso viel Spaß, Sprünge und andere Hindernisse in Angriff zu nehmen. Ich sah aber viele Jungs, die entweder zu mutig waren oder sich überschätzten, und deren Ausrüstung sich bei Bodenkontakt in alle Richtungen verteilte. Einige scheinen aber keine andere Wahl gehabt zu haben, da ihre Freunde alle gesprungen sind und die Mädchen gefilmt haben. 仕方がない。
  11. Das ganze Wochenende über habe ich im gesamten Skigebiet keinen anderen westlichen Ausländer gesehen. Wenig überraschend also, dass ich einige verstohlene Blicke auf mich zog. Ich war SO froh, dass ich kein Anfänger mehr war und mich nicht vor allen Leuten blamierte.
  12. Natürlich ist in Japan kein kalter Tag draußen komplett ohne ein wohlverdientes Onsen am Abend. Viel Spaß im heißen Wasser im 8. Stock des Hotels direkt neben der Talstation!

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