Singapur

Zwischen 2008 und 2010 habe ich oft Singapur besucht und zwischen 2011 bis 2014 habe ich in diesem multikulturellen Stadtstaat gelebt und gearbeitet, hauptsächlich am Centre for Quantum Technologies. Dieser Artikel enthält einige Infos, die für andere Touristen und Expats von Nutzen sein könnten. Ich werde mich auf praktische Informationen anstatt Klischees wie "Disneyland mit der Todesstrafe" konzentrieren.

 

  1. Unterkunft
  2. Verkehr
  3. Digitale Anbindung
  4. Arbeit
  5. Reisedrehkreuz
 merlion

 

1. Unterkunft

Da Singapur eine der teuersten Städte der Welt ist, stellt bezahlbare Unterkunft sowohl für kurz- als auch langfristige Besucher eine der größten Prioritäten dar. Im Gegensatz zu den Nachbarländern sind in Singapur gehobene Hotels und gute Wohnungen sehr teuer.

Für kurzfristige Besucher mit kleinem Budget sind Airbnb oder Couchsurfing zu empfehlen. Airbnb erfreut sich in Singapur großer Beliebtheit. Die Regierung ist bereits darauf aufmerksam geworden und versucht, die Verbreitung dieser Mietzentrale zu bremsen. Trotz des ungeklärten Rechtsstatus (in Englisch) ist es aber sehr unwahrscheinlich, dass Besucher, die von Airbnb Gebrauch machen, Schwierigkeiten mit den Behörden bekommen. Einheimische, die ihre staatlich subventionierten Wohnungen vermieten, werden viel eher den Zorn der Regierung auf sich ziehen.

Langfristige Besucher mit Bedarf nach gehobener, aber erschwinglicher Unterkunft können sich einer Wohngemeinschaft anschließen oder eine neue begründen. WGs sind nicht nur völlig legal, sondern auch sehr beliebt bei jungen Expats in ihren 20ern und 30ern. Viele dieser WGs befinden sich in Wohnanlagen (condominium) mit tollen Komforts wie Schwimmbad, Fitnessraum, Grillplätze, Sportanlagen und mehr. Ein Zimmer in einer solchen WG kostet zwischen S$1000 to S$1500 pro Monat.

 

2. Verkehr

Anders als Unterkunft sind Verkehrsmittel in Singapur erstaunlich günstig, sei es Bus, U-Bahn (MRT) oder Taxi. Die einzige Ausnahme ist der Unterhalt eines eigenen Autos, was *sehr* teuer ist. Aber dank des hervorragenden öffentlichen Verkehrsnetzes und der kleinen geographischen Größe Singapurs ist der Besitz eines Autos Luxus statt Notwendigkeit.

Auch kurzfristige Besucher sollten sich nach Ankunft in Singapur sofort eine EZ-link-Karte besorgen. Diese Geldkarte ermöglicht bargeldlose Bezahlung in Bussen und MRT. In Singapur benutzt praktisch jeder diese Karte, nicht zuletzt, weil damit die Fahrtpreise günstiger sind. EZ-link-Karten können an jeder MRT-Haltestelle gekauft und aufgeladen werden. Alle Busse sowie die Eingangs- und Ausgangsschranken der MRT-Haltestellen sind mit elektronischen Kartenlesegeräte ausgestattet, welche automatisch den korrekten Geldbetrag von der Karte abziehen. Bei Busfahren ist darauf zu achten, die Karte sowohl beim Einsteigen als auch beim Aussteigen zu scannen. Wenn man vergisst, beim Aussteigen zu scannen, wird automatisch der maximale Fahrpreis von der Karte abgezogen, was in der Regel mit deutlichen Zusatzkosten verbunden ist.

Ein paar nützliche Android-Apps für den öffentlichen Verkehr sind die folgenden: Mit GrabTaxi kann man ein lizenziertes Taxi buchen und wird während der Wartezeit über den Namen, das Kennzeichen und den GPS-Standort des Taxifahrers unterrichtet. Mit SGbuses erfährt man die voraussichtliche Ankunftszeit jeder Buslinie an jeder Bushaltestelle, so dass man seine Fahrten besser planen kann (Vorsicht: die angezeigten Zeiten sind nicht immer zuverlässig, was nicht an der App, sondern an den Busunternehmen liegt).

 

3. Digitale Anbindung

Die drei in Singapur ansässigen Telekommunikationsunternehmen - M1, StarHub und SingTel - bieten vergleichbare Tarife und Netzabdeckung. Lokale Prepaid-SIM-Karten können direkt am Flughafen gekauft und an den meisten Geldautomaten und 24-Stunden-Geschäften aufgeladen werden. Prepaid-SIM-Karten verfallen jedoch nach einer gewissen Zeit, in der Regel 6 Monate nach der letzten Aufladung. Interessant für wiederkehrende Singapur-Reisende ist, dass man auch aus dem Ausland aufladen kann, so dass man nicht für jeden Besuch eine neue Handynummer braucht.

Singapur wird von einem großflächigen Netz von kostenlosen WiFi-Hotspots in Einkaufszentren, Bushaltestellen, im Changi-Flughafen, etc. abgedeckt. Der Netzwerkname lautet Wireless@SG, und die Hotspots werden von den drei Telekommunikationsunternehmen betrieben. Die obligatorische Registrierung kann sich jedoch für nicht Ortsansässige als schwierig erweisen, da für die Online-Registrierung in der Regel eine singapurische Mobiltelefonnummer und/oder singapurische Identifikationsnummer erforderlich ist. Sich als Besucher zu registrieren, ist für gewöhnlich auch möglich, kann jedoch mit Kosten verbunden sein.

 

4. Arbeit

Angesichts hoher Lebensqualität, wenig Kriminalität und eine der niedrigsten Steuersätze der Welt ist Singapur sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer ein attraktiver Ort. Qualifizierte ausländische Arbeitskräfte erhalten einen Employment Pass (EP) im Scheckkartenformat, welcher als Visa und Identitätsnachweis dient. Es gibt mehrere Unterkategorien des EP, je nach Qualifikationsgrad und jährlichem Grundeinkommen. Diese Unterkategorien unterscheiden sich geringfügig bezüglich der Privilegien (wie z.B. Familiennachzug). Der EP muss alle 1-2 Jahre erneuert werden und jedes mal wenn man seinen Arbeitsplatz wechselt. Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses muss man seinen EP an den Arbeitgeber zurückgeben, und man erhält ein offizielles Schreiben, in welchem das spätest mögliche Ausreisedatum vermerkt ist. Dieser offizielle Brief ersetzt auch die Ausreisekarte (Disembarkation Card) und muss beim Verlassen Singapurs den Behörden im Ausreisebereich übergeben werden.

Nach mindestens einem Jahr - idealerweise 2-3 Jahren - Erwerbstätigkeit kann man beantragen, ein Permanent Resident (PR) zu werden (entspricht etwa der deutschen Niederlassungserlaubnis). Dieser Status beinhaltet viele Privilegien (neben unbefristeter Aufenthaltserlaubnis z.B. auch subventionierte Gesundheitsversorgung und niedrigerer Einkommenssteuersatz) sowie einige Verpflichtungen (wie die Wehrpflicht für Männer, die von PRs der ersten Generation allerdings nur selten verlangt wird). Nach ein paar Jahren kann man die Staatsbürgerschaft beantragen. Da Singapur die doppelte Staatsbürgerschaft nicht anerkennt, müsste man dann seine bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben.

Aufgrund des großen Zustroms qualifizierter ausländischer Arbeitskräfte im vergangenen Jahrzehnt wurden in den letzten paar Jahren die Anforderungen sowohl für EP als auch PR verschärft, so dass diese Status nicht mehr so leicht gewährt werden. Als Faustregel gilt, je mehr man vorzuweisen hat (Bildungsstand, Einkommen, Arbeitgeber, ehrenamtliche Arbeit) und je länger man schon in Singapur ist, desto besser die Chancen.

 

5. Reisedrehkreuz

Südostasien ist sowohl für kulturell interessierte als auch erholungsorientierte Touristen ein sehr spannendes Reiseziel. Ein großer Vorteil, in Singapur zu arbeiten und leben, ist, dass man sich im geographischen Herzen Südostasiens befindet. Das Land ist daher das perfekte Reisedrehkreuz für kurze und preiswerte Urlaube in benachbarten Ländern wie Indonesien, Malaysia, Thailand, Kambodscha, Vietnam und Myanmar. Viele Singapurer, auch solche aus den niederen Einkommensschichten, reisen gerne an Wochenenden in der Region mittels günstiger Billigflüge. Singapur selbst mag in Bezug auf touristische Aktivitäten nicht so viel bieten, aber man wird auf jeden Fall die Sicherheit und Sauberkeit zu schätzen wissen, wenn man dort längere Zeit lebt!